Posts tagged “Geschichte”.

Erste Gruppenreise der Welt

Heute vor 171 Jahren, am 5. Juli 1841 veranstaltete der Brite Thomas Cook die erste organisierte Eisenbahn-Reise zwischen Leicester und Loughborough. Obwohl nur 40 Kilometer weit, war dies die erste Gruppenreise der Welt. Wenig später gründete Cook das erste Reisebüro – der Beginn des Massentourismus.

Quelle: kalenderblatt.de

Zum Jubiläumstag, heute am 5. Juli 2012 mache ich mit dem ‘Quer durchs Land Ticket’ der Bahn auf, um einen Tagesausflug von Berlin nach Halberstadt und zurück zu unternehmen. Anlass ist der 12. Klangwechsel des Stückes ORGAN2/ASLSP von John Cage. Eine Komposition mit der Anweisung diese ‘As SLow aS Possible’ (ASLSP) zu spielen. In Halberstadt entschied man sich für eine Gesamtlänge von 639 Jahren! Dementsprechend ist jeder Klangwechsel ein Event das im Durchschnitt nur einmal im Jahr stattfindet. Wer den heutigen Wechsel (Pause: a‘, c“, fis“) verpasst sollte sich das nächste Datum, den 05.10.2013 im Kalender notieren da danach der Klang für fast sieben Jahre bis zum 05.09.2020 konstant bleibt.

Das Projekt im Web: Klangwechsel

Five Berlin guides for your iphone or android

Berlin – an impressive history and a pulsating city. Explore the traces of the 20th century and get an insight view to the cityscape of today.

The Third Reich Tour
Traces of a dictatorship, World War II and the Holocaust

The Berlin Wall and Checkpoint Charlie
From the Wall Memorial at the north to Checkpoint Charlie at the south

Berlin Sightseeing – Top 10 Highlights
Reichstag, Brandenburg Gate, Soviet + Holocaust Memorial, Führer Bunker, the Wall, Checkpoint Charlie, Jewish Museum…

Berlin – Street art, artworks in public space
Graffiti, Paintings, Paste-Ups, Stencils in the Berlin districts Kreuzberg and Friedrichshain

Berlin – Karl-Marx-Allee / Stalinallee
The Stalinallee was a flagship building project of East Germany to represent the new country

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BARLACHS SCHWEBENDER GOTTVATER

Intervention im öffentlichen Raum
An dem Ort wo einst knapp 17000 Werke der Entarteten Kunst zwischengelagert wurden hängt seit Montag, 05. Oktober 2009 ein Banner welches auf die Geschichte des Ortes aufmerksam macht.

Depot berlin - Entartete Kunst

DEPOT BERLIN präsentiert:
BARLACHS
SCHWEBENDER GOTTVATER

In den Hauptrollen: Theodor Fischer und Adolf Ziegler

Ein Stück in 16558 Bildern. Akt 1 – Propaganda, Akt 2 – Der Kunstraub, Akt 3 – Die Ausstellung, Akt 4 – Die Verwertung
In den weiteren Hauptrollen: Joseph Goebbels als Reichsminister, Adolf Ziegler als Kunstsachverständiger und Hans Schweitzer als Beauftragter für künstlerische Formgebung.

Veranstaltungsort:
Victoria Speicher Block 1 – Köpenicker Str.24a
Termine: täglich 30.06.1937 – 20.06.1939

Zum Hintergrund:
Das Spreeufer am ehemaligen Grenzverlauf zwischen den Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain ist in aller Munde. Unter dem Label Mediaspree wird es seit Mitte der 90er Jahren vermarktet. Für die Flächen in bester Lage der Stadt wurden und werden Großinvestoren gesucht. Gleichzeitig regt sich seit mehreren Jahren auch Protest gegen die Umstrukturierung, die vor allem durch die Bürgerinitiative Mediaspree versenken präsent ist. Diese fordert insbesondere einen öffentlich zugänglichen Bereich am Ufer mit einer Mindestbreite von 50 Metern .

Den meisten ist das Gebiet geschichtlich durch die sichtbaren Reste der Mauer als ehemaliger Grenzverlauf ein Begriff. Das allerdings auch in den 30er Jahren hier leider ein Teil deutscher Geschichte sein Platz hatte ist weithin unbekannt und findet auch in den derzeitigen Neu-Planungen keine Beachtung.
Als Teil der Politik und dem Selbstverständnis von Adolf Hitler und den NS Regierung gehörte auch eine Deutungshoheit was Kunst ist. Und insbesondere was nicht dem würdig ist. Aus letzterem entstand der Begriff der ‘Entarteten Kunst’.
Mehrere Tausend Kunstwerke wurden von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, in einer Ausstellung zur Schau gestellt und größtenteils vernichtet.
Hier vor Ort diente der Victoria Speicher Block 1 an der Köpenicker Straße 24a für zwei Jahre als Zwischenlager der Werke. Die Arbeiten wurden je nach weiterer Verwertung mit einem Buchstaben markiert. Die Mehrheit erhielten ein X für Vernichtung. Werke mit hohem Wert erhielten ein V für Verkauf da man sich Devisen auf diese Weise versprach. Für Kunstwerke, die dem Anschauungsbild Nationalsozialisten entsprach, die sich im Ausland befanden hat man ein Tauschpool gebildet. Hierfür stand der Buchstabe T für Tausch. Für einige wenige blieb der Buchstabe K für Rückgabe an die Besitzer bzw. Künstler.

Der Titel:
Barlachs Schwebender Gottvater

Ernst Barlach war ein deutscher Bildhauer. Mehr als 400 seiner Werke wurden als ‘Entartete Kunst’ deklariert. Ab 1937 wurde ihm ein Ausstellungsverbot auferlegt.
Eines seiner Werke ist die Plastik ‘Schwebender Gottvater’ aus dem Jahre 1922. Es existiert ein Foto von der Versteigerung der Plastik in Luzern (Schweiz). Auktionator war Theodor Fischer.

Der Ort:
Victoria Speicher Block 1, Köpenicker Str.24a, 10997 Berlin (Google Maps)
Ein altes Packhaus was nicht mehr existiert. Es stand als Quergebäude neben dem noch bestehenden.

Die Personen:
Theodor Fischer, Galerist und Kunsthändler, versteigerte u.a. bei einer Auktion 125 hochpreisige Gemälde und Plastiken die als Entartete Kunst eingestuft waren.
Adolf Ziegler war Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste. In dieser Funktion u.a. für das Ausstellungsverbot von E. Barlach verantwortlich.
Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Initiator der Ausstellung ‘Entartete Kunst’
Hans Schweitzer, Reichsbeauftragter für künstlerische Formgebung. Maßgeblich beteiligt an der Konfiszierung vieler Werke

Depot Berlin - Banner Entartete Kunst

Eine größere Ansicht des Banner-Entwurfes bzw. ein paar Fotos von dem Banner vor Ort am Spreeufer sind in der Fotogalerie Depot online. Update: Fotogalerie nun auch mit der Dokumentation der Aufhängung.

Mit der Aufhängung des Banners ‘Schwebender Gottvater’ soll die Geschichte des Ortes öffentlich werden. Gleichzeitig soll dies auch der Anstoß sein für einen offiziellen Antrag für ein Denkmal an diesem Ort.

Berlin, 05. Oktober 2009
Uli Schuster und Freunde der Stadt – Die Agentur für zeitgenössische Stadtforschung