{"id":2072,"date":"2020-01-21T13:56:52","date_gmt":"2020-01-21T12:56:52","guid":{"rendered":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/?p=2072"},"modified":"2020-01-21T14:44:43","modified_gmt":"2020-01-21T13:44:43","slug":"unhaltbare-arbeitsbedingungen-an-den-gedenkstatten-in-berlin-brandenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/?p=2072","title":{"rendered":"Unhaltbare Arbeitsbedingungen an den Gedenkst\u00e4tten in Berlin &#038; Brandenburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahr 2019 haben sich Mitarbeiter*innen der Gedenkst\u00e4tten und Museen in Berlin und Brandenburg vernetzt um auf Ihre miserablen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Als wichtiger, n\u00e4chster Schritt wird heute ein Brief ver\u00f6ffentlicht der auf die Diskrepanz zwischen der hoch gesch\u00e4tzten Bildungsarbeit und den Arbeitsbedingungen vor Ort aufmerksam macht. Wir fordern die Verantwortlichen in der Politik und an den Gedenkst\u00e4tten zum handeln auf.  Der Brief wurde von \u00fcber 200 freien und festen Mitarbeiter*innen von mehr als 70 Einrichtungen in Berlin und Brandenburg unterschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen:<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/geschichte-wird-gemacht.org\" target=\"_blank\"> Geschichte wird gemacht<\/a> &#8211; Netzwerk f\u00fcr faire Arbeitsbedingungen in Museen und Gedenkst\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Offener Brief<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An die Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien, Monika Gr\u00fctters, <\/p>\n\n\n\n<p>den Senator f\u00fcr Kultur und Europa des Landes Berlin, Klaus Lederer, <\/p>\n\n\n\n<p>die Ministerin f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Manja Sch\u00fcle:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gro\u00dfe Bedeutung \u2013 schlechte Bedingungen: Mitarbeiter*innen von Gedenkst\u00e4tten fordern faire Entlohnung, soziale Absicherung und mehr Mitbestimmung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Gedenkst\u00e4tten, Geschichtsmuseen und Erinnerungsorte genie\u00dfen in Deutschland ein hohes Ansehen und haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Anl\u00e4sslich runder Jahrestage dienen sie als Orte der symbolischen Abgrenzung von Diktatur und Unfreiheit sowie der demokratischen Selbstvergewisserung. Und nicht nur zu Jahrestagen gelingt in der t\u00e4glichen Kommunikation mit den Besucherinnen und Besuchern ein St\u00fcck demokratische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, mit Geschichte und Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits nehmen diese Lernorte eine zentrale Stellung im Selbstverst\u00e4ndnis der Bundesrepublik, der L\u00e4nder und Kommunen ein. An die Arbeit der Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen werden hohe Erwartungen gekn\u00fcpft. Schaut man jedoch andererseits auf die Bedingungen, unter denen diese Arbeit stattfindet, ergibt sich eine gro\u00dfe Diskrepanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Bereiche der notwendigen Dienstleistungen \u2013 von der Besucherbetreuung \u00fcber die Reinigung bis zum Wachschutz \u2013 sind schon vor Jahren outgesourct worden und unterliegen bei jeder Neuausschreibung einem neuen Kostendruck und neuer Unsicherheit. Das Wissen dieser Kolleginnen und Kollegen um die Bedingungen vor Ort wird gering gesch\u00e4tzt. Die Einkommen liegen h\u00e4ufig nur knapp \u00fcber den gesetzlichen Mindestentgeltvorschriften.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit Erinnerungsorte und Geschichtsmuseen als Lernorte wirksam sein k\u00f6nnen, m\u00fcssen zun\u00e4chst Inhalte und Vermittlungsformate erarbeitet werden. P\u00e4dagogische und museumsfachliche Angestellte sind aber oft zu niedrig eingestuft und daher schlecht bezahlt. Regelaufgaben der Ausstellungsarbeit werden regelm\u00e4\u00dfig aus Drittmitteln oder Sonderprogrammen befristet finanziert. Auch diese befristet angestellten Kolleg*innen werden f\u00fcr einfach austauschbar gehalten. Tats\u00e4chlich m\u00fcssen sie kurzfristig zwischen Arbeitslosigkeit, Selbst\u00e4ndigkeit und verschiedenen Jobs wechseln. Damit fehlt ihnen jegliche Planungssicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Referent*innen und ein Teil des wissenschaftlichen Personals sind auf Basis von Werk- oder Honorarvertr\u00e4gen f\u00fcr ein geringes Entgelt t\u00e4tig. Soziale Absicherung sowie M\u00f6glichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung und der Einflussnahme auf die langfristige Programmgestaltung werden ihnen verwehrt. In verschiedenen Einrichtungen sollen sie jederzeit verf\u00fcgbar sein. Die Vorbereitung von Angeboten und zuweilen auch von Konzepten m\u00fcssen sie au\u00dferhalb der bezahlten Honorart\u00e4tigkeit selbst organisieren. Die in oft jahrelanger T\u00e4tigkeit erworbene Qualifikation wird nicht anerkannt, sondern vorausgesetzt. Als Freiberufler*innen m\u00fcssen sie mit dem Unverst\u00e4ndnis der Verwaltungen und Beh\u00f6rden f\u00fcr ihren Status umgehen. In Sozialversicherungs- und Steuerfragen sind sie mit Regelungen konfrontiert, die f\u00fcr ihren Status gar nicht gemacht wurden. Die Honorarh\u00f6hen spiegeln weder die Anforderungen an die Arbeit noch die sozialen und wirtschaftlichen Risiken. Diese Arbeitsbedingungen sorgen f\u00fcr gro\u00dfe Unzufriedenheit. Sie f\u00fchren seit Jahren zu einer hohen Fluktuation.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Lage ist unhaltbar! Wir sind mit dieser Situation nicht nur unzufrieden, sondern \u00fcberzeugt: Das geht besser. Seit Anfang des Jahres 2019 fanden deshalb mehrere Vernetzungstreffen statt. Bei den Treffen kamen mehr als 80 freie und feste Mitarbeiter*innen zusammen, die f\u00fcr fast alle gr\u00f6\u00dferen Einrichtungen in Berlin und Brandenburg t\u00e4tig sind, um \u00fcber die Bedingungen in der Branche, ihre Probleme und gemeinsame Forderungen zu diskutieren. Wir repr\u00e4sentieren unterschiedliche Statusgruppen in Gedenkst\u00e4tten, Museen und Erinnerungsorten in Berlin und Brandenburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Schreiben wenden wir uns an Sie, aber auch an weitere Verantwortliche in der Politik und in den Einrichtungen selbst, um Ver\u00e4nderungen auf den Weg zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"forderungen\"><strong>Unsere Forderungen:<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die uns auf Basis der Anerkennung unserer fachlichen Leistungen eine sichere Existenz erm\u00f6glichen. Grundlagen hierf\u00fcr sind eine ad\u00e4quate Bezahlung, soziale Absicherung und die M\u00f6glichkeit der Mitbestimmung in Form von Interessenvertretungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Freie Mitarbeiter*innen brauchen soziale Absicherung. Die Auftraggeber*innen m\u00fcssen sich zu 50 % an den Sozial- und Rentenabgaben beteiligen.<\/li><li>Freie Mitarbeiter*innen d\u00fcrfen nicht billiger sein als Angestellte! Wir fordern faire Honorare, die in einer Honorarordnung mit G\u00fcltigkeit an allen Gedenkst\u00e4tten und vergleichbaren Einrichtungen in Berlin und Brandenburg festzuhalten sind.<\/li><li>Wir fordern einen Mindestsatz beim Honorar f\u00fcr Referent*innen in H\u00f6he von 65 Euro\/h und eine abgestufte Honorarordnung f\u00fcr inhaltliche T\u00e4tigkeiten in Anlehnung an die Empfehlungen des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler. Generell m\u00fcssen Honorare stetig an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst werden. Zus\u00e4tzlich sind Qualifikationen und Kompetenzen wie Fremdsprachen und Arbeitserfahrung angemessen zu ber\u00fccksichtigen. Arbeitswege bzw. Anreisezeiten sowie Vor- und Nachbereitung und Weiterbildung sind zu verg\u00fcten.<\/li><li>Eine gegebenenfalls anfallende Umsatzsteuer auf Honorare ist in vollem Umfang durch die Auftraggeber*innen zu \u00fcbernehmen.<\/li><li>Generell sollten freie Mitarbeiter*innen w\u00e4hlen k\u00f6nnen, ob sie die Arbeit als Freiberufler*innen oder Angestellte ausf\u00fchren m\u00f6chten. Zu pr\u00fcfen ist au\u00dferdem die Etablierung von \u201efesten Freien\u201c nach dem Modell vieler Rundfunkanstalten. Eine weitere M\u00f6glichkeit ist die Einrichtung einer Besch\u00e4ftigungsgesellschaft, die die bisher freien Mitarbeiter*innen in Berlin und Brandenburg unabh\u00e4ngig von ihrem Einsatzort anstellt.<\/li><li>F\u00fcr feste Mitarbeiter*innen gilt, dass unbefristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse angestrebt werden sollten. Befristungen f\u00fcr Regelaufgaben sind unzul\u00e4ssig. Besch\u00e4ftigungsverbote bei sachgrundlos befristet Angestellten geh\u00f6ren auf den Pr\u00fcfstand: Dass hoch qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter*innen, deren Vertr\u00e4ge nach zwei Jahren ausgelaufen sind, nicht mehr beim gleichen Tr\u00e4ger angestellt werden d\u00fcrfen, ist nicht nur f\u00fcr die Betroffenen,sondern auch f\u00fcr die H\u00e4user selbst unhaltbar. Hier m\u00fcssen politische Reformen schnellstm\u00f6glich in Angriff genommen werden.<\/li><li>In den Einrichtungen, wo bereits Tarifvertr\u00e4ge zur Anwendung kommen, ist die Eingruppierung der Angestellten zu \u00fcberpr\u00fcfen und f\u00fcr die bisher niedrig eingestuften Gruppen anzupassen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Fortbildungen, Einarbeitungen, Klausurtagungen sowie Supervision sollten f\u00fcr freie wie f\u00fcr feste Mitarbeiter*innen angeboten und verg\u00fctet oder als Arbeitszeit abgerechnet werden. Hierf\u00fcr sind Infrastruktur und Budgets fest einzuplanen. Regelaufgaben d\u00fcrfen nicht in Projekte ausgelagert werden. Die Haushaltsmittel der Einrichtungen sind ggf. anzupassen.<\/li><li>Die betrieblich-gewerkschaftliche Vertretung von Arbeitnehmer*innen-Interessen gilt es weiter auszubauen. Freie Mitarbeiter*innen brauchen eine Interessenvertretung in den Gremien. Befristet Angestellte k\u00f6nnen ihr aktives und passives Wahlrecht und damit ihr gesetzlich vorgesehenes Mitbestimmungsrecht bislang nur unzureichend wahrnehmen. Damit Betriebs- und Personalr\u00e4te auch in Einrichtungen mit hoher Personalfluktuation und mit vielen unterschiedlichen Statusgruppen unter den Angestellten handlungsf\u00e4hig bleiben k\u00f6nnen, m\u00fcssen die gesetzlichen Grundlagen angepasst werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Wir fordern Sie hiermit auf, mit uns ins Gespr\u00e4ch zu kommen und Grundlagen f\u00fcr faire Arbeitsbedingungen zu schaffen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfe Bedeutung \u2013 schlechte Bedingungen: Mitarbeiter*innen von Gedenkst\u00e4tten fordern faire Entlohnung, soziale Absicherung und mehr Mitbestimmung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[399,12,400,384,33],"class_list":["post-2072","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsbedingungen","tag-berlin","tag-gedenkstatte","tag-museum","tag-politik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/poGda-xq","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2072"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2079,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2072\/revisions\/2079"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/us.gluecksbazillus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}